AC/DC am Schlossberg

Im Februar präsentierte Porsche den neuen E-Technologieträger aus Zuffenhausen. Den Taycan. JO|HANNS durfte exklusiv testen und war beeindruckt.

März 23, 2020

Mit einigem Respekt und viel Vorfreude auf unsere Testfahrt mit dem brandneuen Porsche Taycan übernahmen wir den Fahrzeugschlüssel vom Markenleiter des Autohauses Porsche Graz-Liebenau, Rene Rabel und gingen gemeinsam auf den Hof. Da stand er dann. Schwarz. Breit. Tief. Die Linie erinnert ein wenig an der Panamara, bleibt aber völlig eigenständig. Kurze, durchaus notwendige Einweisung in die umfangreiche Technik und Ausstattung unseres Testfahrzeugs. Die Leistungsdaten machten jedenfalls Lust darauf nicht lange am Hof zu bleiben: 560 kW (761 PS) Leistung, Allrad, Allradlenkung, von 0 auf 100 km/h in 2,8 Sekunden, von 0 auf 200 km/h in knapp 10 Sekunden (wo man´s kann und darf).

KLINGONISCHER WARBIRD
Nach den ersten Metern bemerkt man es bereits an den Gesichtern und Blicken von Passanten: man bewegt sich zwar beinahe lautlos, bleibt aber auf jeden Fall nicht unerkannt. Der Taycan zieht viele Blicke auf sich, kein Auto für Menschen, die gerne im Hintergrund bleiben. Aktiviert man dann auch noch die den optionalen Porsche Electric Sport Sound, ein System, das den fahrzeugeigenen Antriebssound aussen und innen noch emotionaler klingen lässt, ist es sowieso vorbei mit der Anonymität und man bekommt den Eindruck ein klingonischer Warbird nähert sich auf Abfangkurs. Folglich haben wir das System während unserer Fahrt nie mehr ausgeschaltet.

HIGH-TECH INNENRAUM
Der Innenraum ist Porsche pur. Über die Verarbeitungsqualität der verwendeten Materialen braucht man, porscheüblich, kein Wort zu verlieren. Leder, Klavierlack, Carbon. Die Sportsitze vermitteln den Eindruck als könnte man auch lange Autobahnpassagen komfortabel überstehen. Konventionelle Knöpfe sucht man vergeblich. Die gibt es lediglich am Lenkrad, für die Warnblinkanlage und die Fensterheber. Porsche setzt auf Touch. Das neue 16,8-Zoll-Kombiinstrument direkt vor dem Fahrer lässt Erinnerungen wach werden. Fans klassischer Porsche-Cockpits mit den fünf Rundinstrumenten aus den 60er Jahren werden ihre Freude haben. Alles wie damals, nur eben digital. Auch die Mittelkonsole verzichtet völlig auf Knöpfe. Lüftung, Entertainment sowie Navigation alle weiteren Bedienelemente werden über ein weiteres Touch-Display bedient, das dankenswerterweise auch haptisches Feedback gibt. Optional bekommt sogar der Beifahrer seinen eigenen Bildschirm. Der Porsche Innenraum wirkt somit sehr modern, aber nicht übertrieben futuristisch.

RAUF AUF DEN SCHLOSSBERG
Wer die Straße auf den Grazer Schlossberg kennt, weiss was ein gutes Fahrwerk ausmacht. Die elektronische Dämpferregelung bügelte jedoch viele Unebenheiten der Fahrbahn weg, obwohl man ihr den sportlich-straffen Grundcharakter nicht absprechen kann. Dass der Batterieblock zwischen den Achsen verstaut ist, bemerkt man im Fahrbetrieb zwar deutlich, aber wohltuend. Durch den niedrigen Schwerpunkt liegt der Wagen extrem satt auf der Straße und vermittelt ein angenehmes Sicherheitsgefühl. Für die Fahrt auf den Schlossberg haben wir das Fahrwerk im Vorfeld ein paar Zentimeter hochgeliftet und so für mehr Abstand zur Fahrbahn gesorgt, beim anschließenden kurzen Shooting vor dem Uhrturm schaute dann sogar die Sonne auf einen Sprung vorbei und ließ das Grazer Wahrzeichen auf der Motorhaube wiederspiegeln.

800 VOLT-TECHNOLOGIE
Porsche setzt, im Gegensatz zu anderen Herstellern, die auf 400 Volt-Basis entwickeln, auf 800 Volt-Technologie. Das sorgt dafür, dass der Taycan praktisch ohne Leistungseinbußen sein enormes Leistungspotential bis zu 20-mal hintereinander bei extremen Beschleunigungen abrufen kann. Durch dieses System ist auch die Ladeleistung höher und effizienter als bei anderen Elektroautos. Mit bis zu 270 kW kann der Taycan aufgeladen werden. Die Ladezeit beträgt dann theoretisch 25 Minuten von fünf auf 80 Prozent Akkufüllstand.
Die Fahrleistungen sind ob der Leistungsdaten natürlich atemberaubend und ein völliges Ausleben der Leistungsreserven im Alltagsbetrieb ist schier unmöglich. Doch fühlt man auch im regulären Grazer Stadtverkehr die permanent und sofort zur Verfügung stehende Kraft des Elektroantriebs. Ein-, zwei mal konnten wir es natürlich auch nicht lassen und haben beherzt aufs Pedal gedrückt. Der darauf folgende Schlag ins Genick bleibt in stetiger Erinnerung. Laut Herstellerangaben soll der Porsche Taycan Turbo S in unter drei Sekunden den Spurt auf 100 km/h bewältigen.

Braucht man solch eine Urgewalt? Wir glauben, ja. Zum einen ist es gut, dass europäische Konzerne einen Gegenpol zur technologischen Entwicklungen aus USA und Fernost bieten können. Und zweitens macht es verdammt viel Spaß.

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